Eital: von Höhlen, Bären und Wässermatten

Auf dem Weg durchs Eital: imposanter Wasserfall.

Wässermatten sind eine alte Bewirtschaftungsform der traditionellen Kulturlandschaft. Auf unserer Wanderung durch das Eital nach Wenslingen spüren wir die Relikte dieser vergangenen Kulturform auf und gehen auf die Suche nach versteckten Wasserfällen und Höhlenbären.

Das langgezogene Dorf Tecknau im oberen Baselbiet nehmen wir meist gerade noch wahr, wenn wir mit dem Zug Richtung Olten in den Tunnel einfahren. Dabei lohnt sich ein Halt durchaus. Denn gleich hinter Tecknau versteckt sich eine Landschaft, die mit einigen noch kaum bekannten Perlen des Baselbiets aufwarten kann: dem Eital und der imposanten Fluh mit ihren Höhlen hinauf nach Wenslingen.

Die Landschaft des Eitals war früher geprägt durch eine längst vergessene landwirtschaftliche Nutzung: die Wässermatten. In früheren Zeiten war es schwierig, die Gülle auf weit entfernte Felder auszubringen, und ertragsreiche Heuwiesen waren daher Mangelware. Die Bauern im Eital wussten sich aber zu helfen, indem sie sich des Eibaches bedienten. Mit Schiebern und Stauwehren legten sie ein spezielles und aufwändiges Bewässerungssystem an. Im Bach stellte eine Stauschleuse (die „Schwelli“) den Abfluss in einen Hauptkanal her. In diesem folgten sich in bestimmten Abständen Verteilkanäle (die „Brütschen“), die das Wasser in Seitengräben leiteten. So konnte das Tal überflutet werden, damit gelangten die Schweb- und Nährstoffe des Baches zur Düngung auf die Felder.

System der Wässermatten
Entstanden ist so die spezielle Landschaft der Wässermatten, die es heute kaum mehr gibt. Das System aus Bächen und Wässergräben mit ihren Hecken, Weiden und Bäumen bildete ein Refugium für zahlreiche Kleintiere wie Libellen und Amphibien. Die Wasserspitzmaus fand hier ihren Lebensraum. Der Iltis jagte entlang der Bachläufe nach Fröschen und Mäusen. Zahlreiche Vogelarten wie der Kiebitz und Feldlerche konnten Unterschlupf finden.

Mit dem Aufkommen der mineralischen Dünger ist die aufwändige Form der Bewirtschaftung mit Wässermatten wieder aus unserer Landschaft verschwunden. Auch im Eital ist von den ehemaligen Bewässerungsanlagen nichts mehr zu sehen. Doch der „Geist“ dieser traditionellen Kulturform liegt nach wie vor über der Landschaft. Der Verein „Erlebnisraum Tafeljura“ hat sich zum Ziel gesetzt, die Wässermatten im Eital langfristig wieder zu reaktivieren. Erste Ansätze dazu sind der durch die Gemeinde renaturierte Eibach, den wir an der Feuerstelle vis-à-vis des Schützenstandes bewundern können.

Während unserer Wanderung entlang des Eitales wird unvermittelt das Rauschen von Wasser dominant. Wir folgen dem Rauschen steil hinab zur Wasserflue, bis wir vor dem imposanten Wasserfall stehen. Hinter dem Wasserfall finden wir das Bärenloch, eine heute versperrte Höhle, in der in den Sechzigerjahren Überreste von Höhlenbären gefunden wurden. Höhlen begleiten uns auch auf unserem steinigen Weg auf die Wenslinger Höhe. Die Bäche auf dem Plateau verschwinden im Untergrund, lösen den Kalk auf und haben so im Laufe der Jahrhunderte ein grosses Höhlensystem gebildet. Das Bruderloch, dem wir auf unserem Weg begegnen, ist eine der längsten und schönsten Höhlen des Baselbietes.

Haben wir den steilen Aufstieg auf die Wenslinger Ebene geschafft, lohnt sich ein Abstecher in den denkmalgeschützten alten Dorfteil. Hinter den imposanten Baselbieter Bauernhäusern sind hier noch die Baumgärten mit ihren alten Hochstammobstbäumen erhalten, die sich auf kleinen Fusswegen erkunden lassen.

Hinweg: Vom Bahnhof Tecknau durch die Burgholden in Richtung Wenslingen/Anwil bis zur Wasserfluh. Steiler Aufstieg über die Bettstigi nach Wenslingen.
Rückweg: Entweder durch die Aletenschlucht mit der Fledermaushöhle 'Tüfelschuchi' oder via Ruine Ödenburg (Aussichtspunkt auf das Eital, Gelterkinden und Sissach) zurück nach Tecknau.
Alternative: Über die Wenslinger Ebene nach Oltingen, einem der schönsten Dörfer im Baselbiet. Wanderzeit: zirka eineinhalb Stunden.
Bitte beachten: Die Höhlen und Felsen der Bettstigi sind durch Wanderer und Kletterer bereits arg beeinträchtigt worden. Hier hat die Natur Vorrang!

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