Trockenwiesen und -weiden

Grosse Artenvielfalt: Halbtrockenrasen mit einzelnen Bäumen und Büschen auf der Liesbergweid.

Das Bundesamt für Umwelt BAFU hat ein Inventar der national bedeutenden «Trockenwiesen und Trockenweiden» erstellt. Solche sogenannten Magerrasen umfassen rund ein halbes Prozent der Landesfläche. Sie sind nährstoffarm und äusserst artenreich, daher wichtig für die Biodiversität.

Unter mageren Rasen versteht man generell ungedüngtes Grünland, also ungedüngte Wiesen und Weiden. Bis ins neunzehnte Jahrhundert war praktisch das ganze Grünland mager, da die Landwirtschaft nur wenige Düngemittel einsetzen konnte. Im Zuge der Intensivierungen sind vor allem leichter zu bewirtschaftende Flächen in Fettwiesen und -weiden überführt worden.

Viele Magerrasen verschwanden auch durch Aufforstungen oder Überbauungen bevorzugter südexponierter Hanglagen. In den vergangenen sechzig Jahren sind rund neunzig Prozent dieser Trockenwiesen und -weiden in der Schweiz verschwunden.

Grossflächige wertvolle Gebiete sind bei uns im Laufental und im Kettenjura erhalten geblieben, im Tafeljura und in den Tieflagen dagegen zumeist nur kleinräumige Gebiete. Doch auch dort existieren bedeutsame Magerrasen von nationaler Bedeutung, so in der Gemeinde Rothenfluh, in der Reinacher Heide und im Norden Basels auf ehemaligem Bahnareal.

Grosse botanische Vielfalt
Aus botanischer Sicht sind Magerrasen keineswegs einheitlich. Es gibt verschiedene Typen, die sich floristisch teils grundlegend unterscheiden. Magerwiesen werden in der Regel auf der ganzen Parzelle einheitlich bewirtschaftet. Deshalb weisen sie innerhalb der einzelnen Parzelle keine grossen Unterschiede auf.

Auf Magerweiden führen dagegen Viehtritt und der selektive Frass der Weidetiere zu vielen kleinräumigen standörtlichen Unterschieden, welche die Artenzahl unter den Pflanzen und Tieren stark erhöhen. So ist zum Beispiel der Deutsche Enzian zur Keimung auf nackte Bodenstellen angewiesen. Diese entstehen durch Viehtritt.

Schutz gut gediehen
Die meisten Magerrasen stehen im Baselbiet mit dem Kanton unter Vertrag. Im Vertrag werden die Art der Bewirtschaftung und die Pflege festgelegt. Dadurch besteht die Möglichkeit, die strukturelle Vielfalt von Magerrasen zu fördern, unter anderem durch spät gemähte Säume entlang von Gehölzen oder indem man auf Weiden eine bestimmte Anzahl Sträucher aufkommen lässt. Magerweiden mit Sträuchern sind für Vögel, Reptilien und Insekten wertvoller.

An besonnten Hängen auf mässig magerem Boden haben sich Magerwiesen mit viel Wiesensalbei ausgebildet. Steile, steinige Hänge werden zumeist beweidet. Die dort vorhandenen Magerrasen mit dem Edel-Gamander sind besonders wertvoll. Zwischen den niedrigen und lückigen Rasen gedeihen viele konkurrenzschwache seltene Pflanzenarten.

An felsigen, steilen Hängen des Kettenjuras gehen die Magerrasen, die ursprünglich durch Rodung entstanden sind, in natürliche Blaugrasrasen über. Auf Felsen herrschen besonders trockene Bedingungen. Dort finden sich neben Arten von Magerrasen auch eigentliche Felsenpflanzen.

Feuchter und wechselfeuchter Magerrasen
Magerrasen kommen auch an Nord- und Osthängen vor, wo die Böden eher feucht sind. Besonders interessant sind quellige Stellen. Wo im Frühling leuchtend gelb die Sumpfdotterblumen blühen, finden sich im Sommer da und dort regional seltene Sumpfpflanzen. Im höheren Kettenjura sind solche Hangsümpfe noch an etlichen Stellen vorhanden.

Auf wechselfeuchten beziehungsweise wechseltrockenen Lehm- und Mergelschichten weichen die Magerrasen deutlich von den oben beschriebenen Typen ab. Die Magerrasen unter den Eichen von Wildenstein bei Bubendorf gehören dazu, vor allem aber die von Föhren und Wacholder bestandenen des Naturschutzgebiets Chilpen bei Diegten. Die dort anstehenden mergeligen Effingerschichten bringen orchideenreiche Rasen und spezielle Föhrenwälder hervor.

Volltrockenrasen in der Reinacher Heide. Die Vegetation bleibt niedrig und sehr lückig.

Volltrockenrasen
Nochmals ganz andere Bedingungen liegen in der Reinacher Heide vor. Auf extrem trockenem Birsschotter ohne nennenswerte Bodenbildung sind die Rasen lokal sehr niedrig und lückig. Man bezeichnet diese als Volltrockenrasen – im Gegensatz zu den im Jura vorherrschenden Halbtrockenrasen. Die Volltrockenrasen der Reinacher Heide haben gemeinsame spezifische Arten mit denjenigen der Oberrheinebene unterhalb von Basel, dort allerdings auf anders zusammengesetztem Rheinschotter.

Schön ausgebildete oberrheinische Volltrockenrasen beherbergen unter anderem die Naturschutzgebiete Petite Camargue Alsacienne im nahen Elsass und Totengrien in der Nähe von Istein auf der badischen Seite.

Der Artenreichtum zwischen den Geleisen im Norden Basels ist enorm: in einem Jahr wurden fast 500 Arten von Blütenpflanzen gezählt. Bild vom Erlenmatt-Areal.

Sonderfall Bahnareal
Einen Sonderfall aus nationaler Sicht stellt das ehemalige Bahnareal im Norden Basels dar. Nach Aufgabe der Pflege entwickelte sich dort eine steppenartige Vegetation von internationaler Bedeutung. Neben kleinflächigen Magerrasen, die an oberrheinische Volltrockenrasen erinnern, nehmen ein- und mehrjährige Ruderalgesellschaften die meiste Fläche ein. Die Sonderstellung des ehemaligen DB-Rangierareals zeigt sich auch darin, dass dort etliche in der Schweiz nördlich der Alpen seltene Arten in grosser Zahl vorkommen.

ROLAND LÜTHI

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