Ausbaggerung soll geprüft werden

Beim Kraftwerk Birsfelden soll ein altes Vorhaben neu geprüft werden: die Ausbaggerung des Rheinbetts unterhalb des Kraftwerks. Durch das höhere Gefälle kann die Stromproduktion erhöht werden.

2009/2010 hatte die Baselbieter Regierung die Massnahme jedoch abgelehnt. Es sei höchst zweifelhaft, ob Turbinen und Turbinenhaus eine Leistungssteigerung zulassen würden. Bei Hochwasser könnten die ausgebaggerten Bereiche rasch wieder aufgefüllt werden. Zudem sei eine Zusatzleistung von 25 GWh zu optimistisch. Diese Ausgangssituation wird sich kaum grundlegend geändert haben. Die Lage ist auch bezüglich Konzession komplex.

Eine Ausbaggerung hätte unbestrittene ökologische Nachteile auf das Flussökosystem. Zentral ist, dass die Naturanliegen vorzeitig einbezogen werden. Dass Fischer und Naturschützer den konstruktiven Dialog suchen, haben sie mehrfach gezeigt.

April 2012

Kraftwerk Birsfelden: Gewässersohle ausbaggern?

Wie bereits 1995 ist eine Austiefung des Rheins unterhalb des Kraftwerks Birsfelden zur Erhöhung der Stromproduktion in Diskussion.

In der Konzession, die das Kraftwerk erhalten hatte, war die Ausbaggerung prinzipiell bewilligt worden, doch wurde sie an verschiedene Bedingungen geknüpft, die schliesslich zusammen mit der Forderung der Umwelt- und Fischereiverbände nach einem Umgehungsgerinne zum Verzicht auf die Baggerungen führten. Letztlich wurden nur die Turbinen ertüchtigt.

Gefahr für die Fisch- und Kleintierarten des Rheins
Aufgrund der damaligen Gutachten hat eine Austiefung der Gewässersohle neben einem Anstieg der Fallhöhe um rund 30 cm eine Verringerung des Sohlengefälles und damit der Fliessgeschwindigkeit zwischen dem Wehr und der Wettsteinbrücke zur Folge.

Die Fliessgeschwindigkeit und die Beschaffenheit der Gewässersohle sind bei der Wahl des Laichplatzes für viele Fische entscheidend. Für Nase und Lachs könnten die Strömungsverhältnisse unter den Optimalbereich absinken. Da auch der Geschiebetransport durch die tiefere Fliessgeschwindigkeit beeinträchtigt wird, fehlt der Nachschub an lockerem Kies für das Ablaichen der Fische, und es wird mehr feineres Geschiebe abgelagert. Die Zwischenräume in der Gewässersohle werden dadurch verstopft und verkittet, was das Ablaichen für Fischarten wie Nase, Lachs oder Äsche im schlimmsten Fall verunmöglicht.

Alle Fischarten können nur in einem bestimmten Temperaturspektrum ohne Stresssymptome leben. Eine Ausbaggerung kann an die Obergrenze der Wassertemperatur führen, die für die Leitfischarten Nase und Lachs sowie die Äsche noch zuträglich ist.

Nach dem riesigen Fisch- und Kleintiersterben mit der Katastrophe von Schweizerhalle hat sich die Fauna Anfang der 1990er-Jahre wieder etwas erholt. Typische strömungsliebende Arten sind zurückgekehrt. Weil sich gleichzeitig auch Neuankömmlinge im Rhein ausbreiteten, bleibt jedoch für die angestammten Arten zu wenig Platz. Sie konnten nicht mehr ihre ursprünglichen Häufigkeiten erreichen. Die Bedingungen werden mit der Ausbaggerung nochmals verschlechtert.

Abklärung notwendig
Eine Ausbaggerung unterhalb des Kraftwerks Birsfelden hätte zwei Seiten: Einerseits würde die weitere Nutzung von erneuerbarer Energie gefördert. Andererseits würde die Ausbaggerung nach der fast vollständigen Aufstauung des Hochrheins in den letzten 100 Jahren zu einer nochmaligen Verschlechterung der Lebensbedingungen für die typischen Fisch- und Kleintierarten des Rheins führen. Die mit internationalen Projekten geförderte Aufwertung der Lebensräume im Rhein könnte gefährdet werden.

Im Rahmen eines allfälligen Bewilligungsverfahrens für eine Austiefung ist es deshalb notwendig, alle Grundlagen zusammenzutragen, damit eine Abwägung der Interessen auf der Basis der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse vorgenommen werden kann.

November 2009

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