35 Jahre unermüdlich im Einsatz

Hat eine Mission, missioniert aber nicht: Bethli Stöckli.

Bethli Stöckli, WWF-Mitglied seit 1981, ist sicher eine der engagiertesten Freiwilligen im Naturschutz der Region Basel. Neben anderen Aktivitäten leitet sie die Pflegegruppe und die Amphibiengruppe von Pro Natura Baselland. Woher kommt die Kraft für diesen Langzeiteinsatz?

Etwas Quirliges strahlt sie aus, aber auch etwas Kontrolliertes. Sie ist humorvoll, aber auch ernsthaft. Sie spricht dezidiert, aber unaufdringlich – sie überzeugt, schiebt aber sofort nach, sie wolle niemanden überzeugen. Alle diese scheinbaren Gegensätze bringt sie mühelos in ihrem Wesen in Einklang. Und der letzte scheinbare Gegensatz: Die kleine Frau ist eine grosse Naturschützerin!

Am Anfang der umweltpolitischen und naturschützerischen Tätigkeit von Bethli Stöckli steht die Rothenthurm-Initiative. In einem der grössten Hochmoore der Schweiz, eben jenem von Rothenthurm SZ, wollte die Armee einen Waffenplatz einrichten: eine Kaserne für 500 Soldaten und ein grosses Übungsgelände. Gegen dieses Vorhaben lancierten Rothenthurmer Bauern, der WWF Schweiz und der spätere grüne Zürcher Nationalrat Arnold Müller im März 1983 die eidgenössische Volksinitiative «zum Schutz der Moore ‒ Rothenthurm-Initiative».

Bethli Stöckli unterstützte diese Volksinitiative, wollte aber auch in ihrer Region, vor der eigenen Haustür, etwas für den Umweltschutz tun. Sie trat 1983 dem damaligen Bund für Naturschutz Baselland BNBL bei, der heutigen Pro Natura Baselland. Das neue Mitglied griff sogleich ein altes Vorhaben im BNBL auf, den Aufbau einer Pflegegruppe für die Schutzgebiete. Bethli Stöckli leitet diese Pflegegruppe bis heute! Die Gruppe leistet pro Jahr etwa zwanzig Einsätze. Von Hand, mit Astschere, Säge, Sense und Heugabel werden die Naturschutzgebiete schonend gepflegt; die Freiwilligen schneiden Hecken zurück, mähen Wiesen, putzen Weiher. Und Bethli Stöckli ist immer dabei. Seit 1990 ist Bethli Stöckli ausserdem Leiterin der Amphibiengruppe, die unter anderem dafür sorgt, dass Frösche und Kröten in der Wanderzeit unversehrt über die Strassen gelangen.

Nachtrag: Die Rothenthurm-Initiative wurde am 6. Dezember 1987 mit 57,8 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Das war eine politische Sensation: Grün siegt gegen Feldgrün! Damals gab es noch die Sowjetunion und den Ostblock, es war die Zeit des Kalten Krieges. «EMD und Armee waren heilige Kühe. Wer sich denen in den Weg stellte, galt als Linker oder Landesverräter», erinnert sich der Rothenthurmer Bauer Adolf Besmer. Seit 1945 war Rothenthurm erst die dritte Initiative, die durchkam – 57 wurden in diesen 42 Jahren abgelehnt.

Bethli Stöckli blieb dran: Sie rief 2005 den Muttenzer Wildpflanzen- und Kräutermarkt ins Leben und organisiert ihn noch heute. Nächste Durchführung siehe Kästchen. Ab 2006 war sie am Aufbau des Naturschutzvereins Muttenz NVM beteiligt, wo sie sich ebenfalls um die Amphibien kümmert.

Was treibt Bethli Stöckli an, was gibt ihr Kraft für Jahrzehnte intensiven freiwilligen Einsatzes? Sie zitiert den oft gehörten Satz: «Man schützt nur, was man kennt.» Aber das sei nur die halbe Wahrheit. «Die andere Hälfte ist, dass man auch mit dem Herzen schaut, nicht nur mit dem Kopf. Das fängt mit Achtsamkeit an, vielleicht für das, was vor der Haustüre wächst. Dann kommt Wertschätzung auf, man entwickelt ein Verantwortungsgefühl und will dann auch etwas wissen. Jedenfalls ging es mir so. Am Anfang wusste ich kaum etwas über Amphibien oder Hecken. Wahrscheinlich gibt es auch den umgekehrten Weg: zuerst das Wissen, dann die innere Beteiligung. Aber sicher braucht es beides, Kopf und Herz. Eine Art Vorbild für mich ist David Attenborough. Er hat ja ein riesiges Wissen. Aber er kann immer noch staunen und ist begeistert!»

Zudem müsse sie auch Freude haben an der Arbeit. «Ein bisschen mache ich das auch für mich selber, als Mittel gegen die drohende Verzweiflung. Wenn man so sieht, was alles läuft ... Die Richtung ist nicht gut und das Tempo auch nicht. Die Menschheit verhält sich wie der Zauberlehrling, der die Geister nicht mehr stoppen kann, die er gerufen hat. Vielleicht kann man helfen, die Richtung etwas zu ändern und das Tempo zu drosseln. Bei den Pflegeeinsätzen kommen die Helferinnen und Helfer teils etwas zur Ruhe. Besonders ist mir das aufgefallen bei den Kursen zum Umgang mit der Sense: Da braucht es einen Rhythmus, man kann nicht pressieren oder ungeduldig sein.»

MARKUS BÄR

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