Zum Tod von Jacqueline Halder, Präsidentin des WWF Region Basel

Am 16. Februar 2014 verstarb im Alter von erst achtundsechzig Jahren Jacqueline Halder, Präsidentin des WWF Region Basel. Sie setzte sich zeitlebens für die Natur und Umwelt ein.

Sechzehn Jahre sind eine lange Zeit. So lange hat Jacqueline Halder die Geschicke des WWF Region Basel mitbestimmt. Als Präsidentin brachte sie nach anfänglichen Turbulenzen das Vereinsschiff unbeirrt und zielstrebig in ruhige Gewässer und in Fahrt. Die Konstanz beim WWF Region Basel ist wesentlich ihr Verdienst.

Für das Amt hat sie sich mit grossem und anhaltendem Engagement, mit Geradlinigkeit und ihrer offenen Art, die Raum für unterschiedliche Meinungen gelassen hat, eingesetzt.

Zu ihren Fähigkeiten gehörte es auch, zu animieren und zu motivieren – Eigenschaften, die eine Vereinspräsidentin besonders auszeichnen.

Natur im Zentrum
Jacqueline Halder studierte an der Universität Basel Biologie und schloss bei Adolf Portmann ab. Nach mehreren Berufsjahren in der Toxikologie bei Hoffmann-La Roche begleitete sie ihren Studienkollegen und späteren Ehepartner Ueli Halder nach Indonesien, wo sie ihn bei seinen Forschungen im Rahmen des WWF-Projektes zur Rettung des Java-Nashornes unterstützte.

Nach der Geburt ihrer beiden Söhne zog die junge Familie während mehrerer Jahre in den Sommermonaten auf die Riederalp, wo das Paar das erste alpine Naturschutzzentrum der Schweiz in der historischen Villa Cassel aufbaute und leitete.

Mit der Schulpflicht ihrer Kinder liessen sich Halders schliesslich in Allschwil nieder, wo Jacqueline schon bald ein neues und vielseitiges Betätigungsfeld fand.

Entspannung und Kraft schöpfte sie bis zuletzt auf den vielen Segeltörns, die sie zusammen mit Ueli in der Adria und den griechischen Gewässern unternahm.

Frau mit Beharrungsvermögen
Aus tiefer Überzeugung stand Jacqueline für Natur und Umwelt ein. Dabei bewies sie Beharrungsvermögen – etwa beim Einsatz für die Amphibien oder in Fragen zur Chemie.

Ein Beispiel ist das Amphibienlaichgebiet Zurlindengrube. Es bestand im Kanton allgemeine Zustimmung, die Krötengruben von nationaler Bedeutung zuzuschütten und dafür im Gebiet Klingenthal ein Ersatzbiotop zu schaffen. Nur Jacqueline – und damit der WWF – war mit der vorgelegten Lösung nicht einverstanden. Erreicht wurde letztlich die Zusage eines flächenidentischen Ersatzes und dessen planungsrechtlicher Sicherung.

Ein anderes Beispiel: Der WWF Region Basel sichtet alle Vorhaben, die eine Umweltverträglichkeitsprüfung verlangen. In der Regel sehen wir keinen Interventionsgrund. Nicht so bei einer geplanten Anlage zur Behandlung von Sonderabfall in Grenzach (D), gleich oberhalb der Fassung von Rheinwasser zur Trinkwasseraufbereitung. Im Umweltverträglichkeitsbericht fand sich keine Zeile zur möglichen Gefährdung des Basler Trinkwassers. Für Jacqueline war sofort klar, dass hier eingegriffen werden musste. Tatsächlich ist die problematische Anlage bis heute nicht realisiert.

Breites Tätigkeitsfeld
Jacqueline Halders Engagement ging weit über den WWF hinaus. So setzte sie sich auch in ihrem engsten Lebensumfeld ein: etwa für einen Robinson-Spielplatz in ihrer Wohngemeinde oder für die Lurche im benachbarten Ziegeleiareal. Zudem war sie aktiv zum Wohl behinderter und benachteiligter Menschen – als Präsidentin des Allschwiler Augustin-Hauses, im Vorstand von Insieme Baselland und im Stiftungsrat der Stiftung Adulta.

Viele Jahre präsidierte sie auch die SP Allschwil und vertrat die Partei im Einwohnerrat, den sie 1996 präsidierte. Dem Baselbieter Landrat gehörte sie während vier Amtsperioden bis 2007 an. Auch hier galt ihr Engagement vornehmlich dem Schutz von Natur und Umwelt, insbesondere während den zwölf Jahren, die sie in der wichtigen Umweltschutz- und Energiekommission wirkte, welche sie während acht Jahren umsichtig präsidierte. Besonderen Stellenwert unter ihren Vorstössen hatten jene zu den Altlasten-Deponien und der Trinkwasserbelastung.

Mehr als eine Präsidentin
Als Geschäftsführer stand ich mit Jacqueline in regem Kontakt. Wöchentlich haben wir die aktuellen Geschäfte besprochen. Für den WWF investierte sie ehrenamtlich mindestens einen halben Tag pro Woche. Sie besass auch zwei hervorragende Eigenschaften, die ich besonders schätzte und die wichtig sind, wenn man exponiert arbeitet: Sie war loyal und furchtlos.

Loyal war sie Natur, Umwelt und dem WWF Region Basel gegenüber, aber auch zu ihrem Geschäftsführer – und dies gerade in heiklen Situationen. Wozu sie Ja gesagt hatte, dazu stand sie auch.

Furchtlos war sie gegenüber Macht oder Machtgehabe, da liess sie sich in ihren sachlichen Überlegungen nicht beeinflussen, denn sie hatte eine Art «Röntgenblick», mit dem sie durch alle Beteuerungen hindurch die wahren Absichten erkennen konnte.

«Nihil nisi bene», heisst es: Nichts ausser Gutem soll man sagen über Verstorbene. Ich wüsste über Jacqueline nichts anderes. Es war mir über die vielen Jahre eine grosse Freude, mit ihr zusammenzuarbeiten. Umso erschütternder, wenn zuletzt auch nicht unerwartet, war ihr früher Tod für uns alle.

Wir haben nicht nur unsere geschätzte Präsidentin, wir haben auch eine Freundin verloren.

Jost Müller Vernier, Geschäftsführer WWF Region Basel

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