Ein Biosphärenreservat vor unserer Haustür

Blick vom Belchen auf das Biosphärengebiet Schwarzwald.

Am 14. Juni 2017 anerkannte die UNESCO, die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur, das Biosphärengebiet Schwarzwald. Am 8. Oktober konnte der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller die Urkunde entgegennehmen.

Damit hat die Region Basel ein UNESCO-Biosphärenreservat in der Nachbarschaft, im Südschwarzwald, einer in der ganzen Nordwestschweiz beliebten Ausflugsregion. Von Schopfheim an der Wiese über Schönau bis zum Schluchsee, von Häusern über Todtnau bis Kappel, also bis vor die Tore der Stadt Freiburg, dehnt sich die neue Biosphäre aus. Sie umfasst 632,4 Quadratkilometer und ist damit um 14 Prozent grösser als die Kantone Baselland und Basel-Stadt zusammen. Aber mit 38'000 Menschen viel dünner besiedelt.

Charakteristisch für das Gebiet ist die offene, recht bergige Landschaft, in der sich Bergmischwälder, Wiesen und Weiden abwechseln. Darin gedeiht eine überaus reche Pflanzenwelt. In den Borstgrasweiden finden sich viele Orchideenarten, Silberdisteln, Arnika, Katzenpfötchen, Flügelginster oder Thymian. Diese Vegetationsgemeinschaft ist auf nährstoffarme nähstoffarme Standorte angewiesen, wie sie die Silikatböden des Schwarzwalds bieten. Sie hängt aber auch von einer extensiven Beweidung ab. Würde die Landwirtschaft sich aus den Steillagen zurückziehen oder auf intensive Bewirtschaftung mit Düngereinsatz umstellen, wäre es um das artenreiche Grünland schnell geschehen.

Hier im Südschwarzwald sorgen eher kleine Kühe, die Hinterwälder und die Vorderwälder, für diese naturnahe Beweidung. Viele der grossen Weiden im Biosphärengebiet wurden früher als Allmendwiesen von mehreren Bauern gemeinschaftlich genutzt. Diese selten gewordene Nutzung hat die Kulturlandschaft des Südschwarzwalds modelliert, zu dem gemacht, was sie heute ist.

Wanderer treffen auch auf Zeugnisse des früher hier betriebenen Bergbaus oder auf von Wasserkraft angetriebene Sägen. Und auf besondere Tierarten, zum Beispiel den Violetten Feuerfalter (Lycaena alciphron), die Heuschreckenart Warzenbeisser (Decticus verrucivorus) und Vogelarten wie den Zippammer, den Zitronenzeisig oder den Wiesenpieper.

Das Land Baden-Württemberg spricht nicht von Biosphärenreservat, sondern von Biosphärengebiet. Das ist wohl auch treffender. Reservat klingt etwas nach Rührmichnichtan ‒ es geht aber nicht um einen Nationalpark und nicht um einen Naturpark. Nur in der Kernzone eines Biosphärenreservats wird die Natur sich selber überlassen. Im Schwarzwald sind das 3,3 Prozent (UNESCO-Vorgabe: mindestens 3 Prozent). In der die Kernzone umschliessenden Pflegezone soll naturnahe Landnutzung stattfinden, zum Beispiel schonender Tourismus oder ökologischer Landbau. Im Schwarzwald sind das 29 Prozent (UNESCO-Vorgabe: zusammen mit der Kernzone mindestens 20 Prozent). In der Entwicklungszone soll eine ökologisch ausgerichtete Wirtschaftsentwicklung unterstützt werden. Diese Zone macht im Schwarzwald 68 Prozent aus (UNESCO-Vorgabe: mindestens 50 Prozent).

● Weitere Informationen: www.biosphaerengebiet-schwarzwald.de

In der Schweiz gibt es bisher zwei UNESCO-Biosphärenreservate: das Biosphärenreservat Engiadina Val Müstair mit dem Schweizerischen Nationalpark und die Biosphäre Entlebuch.

Von Rindern und Wind geformte Weidbuche.
Der Schwarzwald im Herbst.
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