Kreuzkröte

Kennen sie den lauten, metallischen "ärrrr-ärrrr" Ruf, welcher an milden Frühlingsabenden anhebt, sobald die Dämmerung hereingebrochen ist? Bald erhebt sich ein ganzer Chor von Männchen der Kreuzkröte, welche am Rande grosser Pfützen zu rufen beginnen; manchmal viele hundert Meter weit zu hören. Warum treffen wir die Kreuzkröte, die zu den stark gefährdeten Amphibienarten der Schweiz zählt, in dieser Umgebung an?

Die ursprünglichen Lebensräume der Kreuzkröte, etwa Kies- und Sandbänke unkorrigierter Mittellandflüsse, oder ganz flach auslaufende Seeufer mit lockerer Ried- oder Röhrichtvegetation, finden sich kaum noch: Flüsse wurden kanalisiert, die aktiven Flussauen verschwanden, massive Nährstoffeinträge liessen die Gewässer nach einigen Jahren zu stark mit Vegetation überwachsen. Die Lebensräume der Kreuzkröte verlanden. Die Tiere fühlen sich nicht mehr wohl und wandern ab.

Die Kreuzkröte wird zum Vagabund. Sie ist sehr mobil: Man findet sie vor allem in Kiesgruben, aber auch in Sand- und Lehmgruben, Steinbrüchen, Waffenplätzen, Baustellen und Deponien, in vom Menschen geschaffenen Sekundärlebensräumen, oder als Pionierart spontan auf überschwemmten Äckern oder in Regenwasserpfützen von Baustellen.

Nun drohen auch diese Lebensräume in den Kiesgruben durch intensivere Abbautechniken oder durch das normale Schicksal des Aufgefülltwerdens verloren zu gehen: Nirgends mehr kann sich ein Gewässer für einige Wochen ungestört halten. Ihre Verstecke unter Brettern, Steinplatten, Ziegeln oder in Erdlöchern, wo sie sich während dem Tag aufhalten, werden zugeschüttet.

Die Kreuzkröte hat sich spezialisiert auf die Nutzung von oft nur vorübergehend existierenden, sich stark erwärmenden Kleingewässern, in welchen kaum Feinde vorhanden sind. Die Larven entwickeln sich sehr schnell und ertragen Wassertemperaturen von über 30° C problemlos. Die gesamte Larvenentwicklung wird in 3 - 6 Wochen abgeschlossen! Oft endet dieses Glücksspiel aber mit einem Totalverlust: Die Pfütze trocknet vorzeitig aus!

Was ist zu tun?
Die vorhandenen, gut geeigneten Lebensräume (v.a. Gruben, Steinbrüche und Waffenplätze) müssten für die Kreuzkröte gesichert werden. Weiter müssten zusammenhängende Naturlebensräume in unterschiedlichsten Entwicklungsstadien unsere Landschaft durchziehen, welche immer wieder in ihr Anfangsstadium mit frisch aufgebrochenen Böden und Hängen zurückversetzt werden. Letztlich sollte die Schaffung ursprünglicher Kreukrötenhabitate angestrebt werden, indem ein Teil der Fluss- und Seespiegeldynamik wiederhergestellt würde. Nur so kann die Kreuzkröte langfristig und selbständig überleben.

Thomas Huber

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