Meister Adebar

Er gilt als Glücksbringer und Frühlingsbote. Er soll auch, wenn etwas Zucker auf das Fensterbrett gestreut wird, den Kinderwunsch erfüllen. Der Weissstorch, auch bekannt als Klapperstorch oder Meister Adebar, kommt nicht nur in zahlreichen Märchen und Fabeln vor, er erscheint auch immer häufiger in unserer Region.

Wer einmal einen Weissstorch beobachtet hat, erkennt rasch seine Merkmale und seine typische Verhaltensweise. Als einer der grössten Vögel Europas ist der Weissstorch von weitem erkennbar. Und wenn man ihn noch nicht gesehen hat, dann hört man vielleicht das charakteristische Geklapper in der Ferne.

Durch Wiesen und sumpfigen Landschaften schreitet der langbeinige Vogel stolz auf der Suche nach Beute. Blitzartig stösst der lange rote Schnabel nach Fröschen, Würmern und Kleinsäugern. Auch im Flug ist der Storch mit seinem langen Hals und den ausgestreckten Beinen, mit den breiten Flügel sowie dem langsam gleitenden Kreisen gut erkennbar.

Aussterben: die Ursachen
Noch vor weniger als sechzig Jahren war der Weissstorch in der Schweiz, wie auch in vielen Regionen Europas, als Brutvogel ausgestorben. Die Trockenlegung von Feuchtgebieten, die Intensivierung der Landwirtschaft sowie der zunehmende Gebrauch von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln führten zum Wegfall von nötigen Nahrungs- und Brutgebiete für den Storch. Kollisionen und Stromschläge an Freileitungen auf dem Flugweg sind die häufigsten Todesursachen. In den Überwinterungsquartiere wie auf den Zugrouten führen erhöhter Jagddruck und Nahrungsmangel zudem zu hohen Verlusten. Die Wetterverhältnisse spielen auch eine grosse Rolle. Besonders was die Jungen angeht, ist ihr Überleben sehr wetterabhängig. Wenig mehr als zehn Prozent der wegziehenden Jungstörche kehren nach Mitteleuropa zurück. 

Wiederansiedlung in der Schweiz
Im Jahre 1948 gründete Max Bloesch, der sich seit langer Zeit für die Störche einsetzte, die erste Schweizer Storchenstation in Altreu (SO). Jungstörche wurden in die Schweiz eingeführt und über die kritischen Jugendjahre in Gehegen gehalten. Nach und nach begannen die Vögel, sich anzusiedeln und zu brüten. Auch regional haben unterschiedliche Initiativen zur Wiedereinführung der Weissstörche beigetragen, so der Zoo Basel, der Tierpark Lange Erlen, die Storchenstationen Oberwil, Allschwil und Möhlin.

Storchenschutz
In den neunziger Jahren hat sich europaweit die Strategie der Störchenschützer gewandelt. Auch in unseren Regionen werden heute keine Weissstörche mehr in Gehegen gehalten, ausser kranke und verletzte Vögel. Sie werden auch nicht mehr gefüttert; ihre Nahrung sollen sie sich selber beschaffen können. Man geht davon aus, dass ein angepasster Lebensraum die wichtigste Bedingung ist, um den Wiederaufbau - oder den Erhalt - einer Storchenpopulation zu sichern. Priorität im Storchenschutz hat heute die Sicherung und Schaffung von artenreichen Kulturlandschaften, um dem Weissstorch angepasste Nahrungs- und Brutorte zu sichern. Eine andere Priorität liegt auf Schutzmassnahmen der Flugroute, um Verluste zu vermindern.

Zusammenarbeit
Dank dem Engagement zahlreicher Naturschützer ist der Weisstorch wieder heimisch geworden. Auch die internationale Zusammenarbeit wurde im Storchenschutz wichtiger. Zum Beispiel versucht die Umweltstiftung Euronatur, mit der Auszeichnung „Europäisches Storchendorf“ positive Einsätze im Storchenschutz zu stärken. Um als Storchendorf ausgezeichnet zu werden, ist aktiver Storchenschutz seitens der Gemeindeverwaltung und der Einwohner nötig. 2007 wurde Altreu als europäisches Storchendorf ausgezeichnet.

Heute gibt es in der Schweiz 190 bis 200 Storchenpaare. Darunter sind nur einzelne Störche aus anderen europäischen Beständen bei uns eingewandert. Trotz positiver Entwicklung bleibt der Weissstorch in der Schweiz sowie in ganz Europa eine bedrohte Vogelart.

Isabelle Piscart

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