Was tun mit Bauschutt und Aushub?

Potentielles Deponiegebiet in Diegten.

Die Baukonjunktur brummt – es wird gebaut, was das Zeug hält. Doch was tun mit Bauschutt und Aushub? Ablagern oder recyceln? Der Kanton Baselland will beides zugleich. Kann das aufgehen?

Baselland will mit einer Richtplanrevision neue Deponien erschliessen und bestehende erweitern. Nach dem Volksnein zu den Deponien in den Laufentaler Gemeinden Blauen und Zwingen im November 2016 stand der Kanton vor einem Scherbenhaufen. Der WWF Region Basel hatte sich wegen des Verlusts wichtiger Quellen für ein Nein eingesetzt und mehr Recycling gefordert.

Neuer Deponieraum

Anstelle der vom Baselbieter Volk geretteten Tälchen sollen gemäss neuem Richtplan nun das Schäftletetäli und das Chlustäli in Blauen unter Aushubmaterial verschwinden. Betroffen wären ein intakter Landschaftsraum, zwei kommunale Naturschutzgebiete sowie ein Wildtierkorridor von nationaler Bedeutung. Wir lehnen dies ab.

Weiter soll oberhalb von Diegten die Deponie Isental eingerichtet werden. Dagegen wehrt sich der betroffene Biolandwirt. Das Gebiet ist als Fruchtfolgefläche sowie bezüglich Landschaftsschutz und Einsehbarkeit wenig für eine Deponie geeignet.

Neben weiteren Vorhaben ist auch eine Vergrösserung der bestehenden Deponie Höli bei Liestal geplant. Wir hatten uns seinerzeit nicht gegen die Deponie ausgesprochen. Aus heutiger Sicht muss man festhalten, dass die damals verlangten bescheidenen ökologischen Ersatzmassnahmen nicht mehr genügen könnten.

Deponievolumen à discrétion?

Die Richtplanvorlage geht von grossem zukünftigem Bedarf an Deponieraum aus. Dabei stellt die Prognose auf die letzten Boomjahre ab und macht einen grosszügigen Zuschlag für Unvorhergesehenes und Grossprojekte. Damit wird Deponieraum auf Vorrat zur Verfügung gestellt. Von Recycling keine Rede. Das Wort kommt in der Landratsvorlage nicht vor

Ein grosszügiges Angebot schafft auch Nachfrage und verhindert Alternativen. Statt Deponieraum à discrétion sind Umdenken und eine Kehrtwende gefordert. Aushub und Bauschutt sind nämlich kein Abfall, sondern Rohmaterial und können recycelt werden. Der Kanton muss Deponieraum nur für nicht verwertbares Material sicherstellen – nicht aber für das Ausgangsmaterial Aushub und Bauschutt. Die Richtplanrevision hingegen verlängert die bisherige Ablagerungsstrategie. Dabei hat die Abstimmung um die Quellen im Laufental gezeigt, dass diese Vorgehensweise in der Bevölkerung auf Grenzen stösst.

Erfreuliche Wende

Erst nach Beginn der Richtplanvernehmlassung hat der Kanton neue Töne verlauten lassen. Zusammen mit Basel-Stadt wurde eine «Taskforce ‹Baustoffkreislauf Regio Basel›» vorgestellt. Diese konstatiert Nachholbedarf beim Recycling.

Die Bau- und Umweltschutzdirektion Baselland schreibt in der Medienmitteilung: «Trotz des grossen Potenzials von Recyclingbaustoffen hat sich in der Region eine eigentliche Kreislaufwirtschaft für Baustoffe noch nicht durchgesetzt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Primärrohstoffe und Deponieraum sind günstig, Recyclingbaustoffe kämpfen gegen Vorbehalte bezüglich Qualität und Preis und die Aufbereitung von Bauabfällen zu hochwertigen Recyclingbaustoffen ist anspruchsvoll. Dies alles führt dazu, dass in der Region Basel nach wie vor zu viele Bauabfälle deponiert und zu wenige Recyclingbaustoffe eingesetzt werden.»

Nun soll diese «Fehlentwicklung kurz- bis mittelfristig» korrigiert werden. Ja, Baselland will «eine Vorbildfunktion betreffend den Einsatz von Recyclingbaustoffen übernehmen». Das sind erfreuliche Aussagen. 

Grosses Potenzial

Gemäss Yves Zimmermann, Leiter des Amts für Umwelt und Energie Baselland, könnten bis zu fünfzig Prozent des Bauschutts recycelt werden. Der Kanton Solothurn zum Beispiel will mineralische Bauabfälle in Zukunft zu über neunzig Prozent wiederverwerten. Nach mündlichen Quellen könnten siebzig Prozent des Aushubs in der Rheinebene als Kies verwendet statt abgelagert werden. Solche Recyclingquoten würden den Bedarf an Deponieraum massiv vermindern. 

Abwarten gefordert

Angesicht der zukünftigen Recyclingstrategie müssen deshalb, bevor überhaupt der Deponiebedarf dargelegt werden kann, Ziele und Massnahmen der «Taskforce» formuliert und deren Wirksamkeit abgewartet werden. Die aktuellen Richtplananpassungen hingegen basieren auf der Weiterführung des bisherigen Stillsitzens beim Recycling, widersprechen damit einer nachhaltigen Abfallbewirtschaftung und unterminieren die Wende von der Ablagerungs- zur Recyclingstrategie.

Der WWF Region Basel hat in der Vernehmlassung deshalb die Richtplananpassungen abgelehnt und gefordert, den Deponieteil aus der Revision des Richtplans zu entfernen. Er soll in einer späteren Anpassung aufgrund der Zielsetzungen der «Taskforce» und neu beurteilter Ablagerungsmengen überarbeitet werden.

Jost Müller Vernier
September 2018

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