Neue Weiher nötig

In Allschwil und Pratteln werden Amphibien ungesiedelt – mit ungewissem Ausgang. Vor allem für die Kreuzkröte sieht es schlecht aus. Der WWF Region Basel will die Amphibien fördern.

Mildes Klima, weit ausladende Auenlandschaften, ungezähmte Flüsse, die in den Talebenen Überschwemmungsflächen schufen und wieder vergehen liessen: Die Region um Basel muss früher ein Paradies für Amphibien gewesen sein. Vor allem die Ebenen von Rhein, Birs und Birsig waren von zusammenhängenden Systemen aus Auen, Sümpfen und Kleingewässern durchzogen. Etwa siebzehn Amphibienarten kamen hier einst vor. Kein Wunder zählte die Region Basel zu den vielleicht amphibienreichsten Gebieten Mitteleuropas. 

Verlorenes Paradies

Dieses Paradies ist schon lange nicht mehr. Im Inventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung sind in den Kantonen Baselland und Basel-Stadt gerade einmal zwölf Gebiete ausgeschieden. Das ist deutlich weniger als im schweizerischen Durchschnitt.

Trotzdem hat sich die Region Basel ihre grosse Bedeutung für den Amphibienschutz bewahren können. Es sind vor allem die Pionierarten Kreuzkröte, Gelbbauchunke und Geburtshelferkröte, für die die Region Basel gesamtschweizerisch eine besondere Verantwortung trägt. Sie haben in Steinbrüchen, Kies- und Lehmgruben ein neues Zuhause gefunden. Zudem sind im unteren Baselbiet in den letzten zwanzig Jahren eine Vielzahl von künstlichen Weihern geschaffen worden, die wie die Herzogenmatt in Binningen oder das Autäli in Riehen sogar Aufnahme ins nationale Inventar der Amphibienlaichgebiete gefunden haben. In solchen Gebieten konnte sich der stark gefährdete Kammmolch wieder etablieren. Auch das laute Quaken des Laubfrosches, der im Baselbiet als ausgestorben galt, ist da und dort wieder zu hören.


Baustellen im Amphibienschutz

Mit dem Inventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung sind die grossen Amphibienvorkommen geschützt. Ende gut, alles gut? Leider nein, denn jetzt sind auch die Lehm- und Kiesgruben als letzte grosse Rückzugsgebiete der Amphibien trotz Schutzstatus unter die Räder geraten. Einige Laichgebiete gleichen zurzeit Baustellen.

Die Ziegelei Allschwil ist einer riesigen Wohnüberbauung gewichen. Zwar wurde im Mühlitäli auf einer Fläche von neun Hektaren ein Amphibienlaichgebiet als Ersatz geschaffen, das zu einer neuen Heimat für Kammmolch, Geburtshelferkröte, Wasser- und Grasfrosch und vielleicht sogar für den Laubfrosch geworden ist.

Ausgerechnet für die besonders bedrohten Kreuzkröten und Unken sind die neu geschaffenen Ersatzstandorte aber ungeeignet. Ihr Lebensraum ist auf zwei kleine Gebiete auf dem Ziegeleiareal zusammengeschrumpft. Mit verschiedenen Massnahmen sollen diese letzten Laichgebiete mit weiteren Amphibienstandorten in der Umgebung vernetzt werden. So entstehen diesen Winter zwischen den Baufeldern drei neue Wanderkorridore, die einzelnen Baufelder sind von Mauern umgeben und alle Strassen im Quartier werden mit Unterführungen versehen. Ob diese Massnahmen allerdings im Sinne der Erfinder funktionieren, ist noch unklar.

Zurzeit sind im ehemaligen Ziegeleiareal nur noch zehn bis zwanzig rufende Kreuzkröten zu hören. In einzelnen Jahren war der Bestand sogar ganz zusammengebrochen. Der Bau von Trittsteinbiotopen am Grubenrand ist zurzeit durch Einsprachen blockiert.

Zügelaktion in der Zurlindengrube

Die Zurlindengrube in Pratteln beherbergt die grösste Kreuzkrötenpopulation im Kanton Baselland. Nach dem Willen des Kantons, Haupteigentümer des siebzehn Hektaren grossen Gebietes, soll die Grube aber als Industrieland verkauft werden. Als Ersatz sollen zwei neue Kreuzkrötenstandorte in den Gebieten Klingenthal und Lachmatt auf Muttenzer Boden entstehen und mit einem Verbindungskorridor vernetzt werden. Eine Übergangsfrist von fünf Jahren zwischen dem Bau der ersten Gewässer am neuen Standort und dem Zuschütten der Zurlindengrube soll die Umsiedlung der Amphibien sichern.

Im letzten Frühling sind die Bagger in der Klingenthalgrube aufgefahren. Der WWF Region Basel ist aber skeptisch, ob die vorgesehenen Massnahmen einen ausreichenden Ersatz für die Kreuzkröten darstellen. Ein Grund für unseren Zweifel ist die viel zu kleine Fläche: Bisher sind erst sechs Hektaren im Gebiet Klingenthal gesichert; in der Lachmatt legen sich Gemeinde und Landeigentümer quer. Der WWF verlangt deshalb, dass zwingend auch die Lachmatt gesichert werden muss. Und zwar bevor die Laichgebiete der Zurlindengrube unwiderruflich verloren gegangen sind.

Verlierer und Gewinner

Technik- und Materialaufwand im Namen des Naturschutzes führen nicht unbedingt zu einer Verbesserung der Situation für die Amphibien. Es gibt Gewinner und Verlierer. Die Populationen des Grasfrosches verdoppeln sich in der Region Basel fast von Jahr zu Jahr. Der bedrohte Kammmolch hat sich im unteren Kantonsteil wieder etabliert und die Geburtshelferkröte, die landesweit starke Bestandeseinbussen in Kauf nehmen muss, ist hier noch viel weiter verbreitet als bisher bekannt. Zu den Verlierern gehören aber spezialisierte Arten wie die Kreuzkröte oder die Gelbbauchunke. Sie sind auf temporäre Gewässer angewiesen, die auch mal austrocknen dürfen. Diese Gewässerdynamik gibt es aber kaum noch.

Ein Netz von Weihern schaffen

Mit den grossen Umsiedlungsaktionen des Kantons ist es also nicht getan. Das Netz von Weihern muss dichter geknüpft werden. Nur so kann die Isolation der Amphibienlaichgebiete durchbrochen werden. Vor allem braucht es mehr temporäre Gewässer für die besonders bedrohten Arten.

Die Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz fordert deshalb ein Projekt «1001 Weiher für die Schweiz». Der WWF Region Basel möchte dazu einen Beitrag leisten. Er bleibt hartnäckig am Ball, wenn es darum geht, die letzten grossen Laichgebiete in der Region zu schützen. Der WWF hat sich zum Ziel gesetzt, in den Schwerpunktgebieten des Amphibienschutzes neue Ausbreitungsbiotope zu schaffen und mit einem dichten Netz von temporären Gewässern zu verbinden.

Stephan Durrer

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