Laubfrösche in der Stadt

Der heutige Pächter des Reservates Eisweiher, Andreas Ochsenbein, ist seit Jahrzehnten an dessen Schutz und Pflege beteiligt. Über 25 Diplomarbeiten und zehn Dissertationen über das Leben in regionalen Feuchtgebieten hat er begleitet. Er wird einzelne Natureinsätze des WWF Region Basel fachlich leiten.

Es ist ein schöner Herbsttag, als ich Andreas «Andi» Ochsenbein im Reservat Eisweiher in Riehen besuche. Die Sonne scheint, vereinzelt kommen kleine Wolken auf. Wir setzen uns mit Pulverkaffee und Gipfeli an den Campingtisch – und  Andreas Ochsenbein erzählt inmitten der Natur: von seiner Faszination für Kriechtiere, seiner Begegnung mit dem  Bobbitwurm, der neuen Wahlheimat Himmelried. Viel brauche ich nicht zu fragen. Die Geschichten und Anekdoten füllen den ganzen Morgen. Nur eine kleine Auswahl davon findet hier Platz.

Über Umwege zum Spezialisten

Andreas Ochsenbein arbeitete als Biologielaborant bei der Sandoz, bevor er 1979/1980 als Assistent zum Institut für Medizinische Biologie der Universität Basel wechselte. Im Rahmen dieser Assistenzstelle  unterstützte er für die folgenden zwanzig Jahre die Arbeiten des Basler Biologen, Naturschützers und Professors Heinz Durrer und war an der Schaffung von zwanzig Feuchtgebieten in der Region beteiligt. Daraus entstanden diverse Projekte: die Wiederansiedlung von Laubfröschen, die Zucht von regionalen Wasserpflanzen für die neu geschaffenen Biotope oder die Beweidung mit Schottischen Hochlandrindern in der Petite Camargue Alsacienne.

Insgesamt hat Andreas Ochsenbein in seiner vierzigjährigen Tätigkeit rund fünfundzwanzig Diplomarbeiten und zehn Dissertationen mitbegleitet. Im Juni dieses Jahres wurde er nun pensioniert. Doch Ochsenbein hat gerne etwas zu tun. Einzelne Projekte möchte er beibehalten, etwa die Laubfroschaufzucht oder die Tätigkeit als Berater für die regionalen Veterinärämter.

Andere Engagements hat er vor einiger Zeit aufgegeben, so das Präsidium der Landesgruppe Schweiz der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT), das er während achtzehn Jahren innehatte. Eine neue Position hat er jedoch auch  ngenommen: Seit diesem Sommer ist er Mitglied in der Umwelt- und Naturschutzkommission der Gemeinde Himmelried im Solothurner Schwarzbubenland.

Feuchtgebiete in der Region

Insgesamt zwanzig Feuchtgebiete hat Heinz Durrer in der Region Basel geschaffen. Darunter im Jahr 1988, angrenzend ans Reservat Eisweiher, die Wiesenmatten mit siebzehn Weihern und Tümpeln. Bei den meisten der zwanzig Projekte war Andreas Ochsenbein an der Planung beteiligt.

«Die Projektierung eines solchen Vorhabens macht bis zu fünfzehn Prozent des Budgets aus. Aber ich weiss ja, was ich machen möchte. Also graben wir die Löcher, machen zuerst den Weiher und zum Schluss den Plan. Mit dem Bau des Reservats Wiesenmatten waren über drei Wochen rund fünfzig Studierende beschäftigt – Mediziner, Biologinnen, aber auch Theologen, Chemikerinnen und andere», erinnert sich Ochsenbein. Neben dem Baggerfahren habe er auch gelernt, Planungskosten zu sparen. Der Plan Wiesenmatten entstand in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW): So wurden Kosten eingespart und die Studierenden der FHNW erhielten Praxiserfahrung – eine Win-win-Situation.

Auf den Frosch gekommen

«Wiederansiedlungsprojekte mit Laubfröschen sind sehr komplex. Die frühere Hauruckmethode, als ausgewachsene Tiere einem Gebiet entnommen und am neuen Ort ausgesetzt wurden, funktioniert nicht gut und würde heute auch nicht mehr bewilligt. Die Verschleppung der Chytridiomykose, einer gefährlichen Pilzerkrankung der Amphibien, möchte man ebenfalls vermeiden», erklärt Andreas  Ochsenbein.

Es gibt auch kritische Stimmen zum Artenschutz durch Umsiedlung: Sie fordern für die Besiedlung neuer Feuchtgebiete eine natürliche Einwanderung.

Doch Ochsenbein wendet eine andere Methode an: «Die Besiedlung eines neuen Gebietes gelingt nur, wenn eine Population in Wanderdistanz vorhanden ist. Wir nehmen jedoch  keine adulten Laubfrösche aus einer bestehenden Population weg. Dies würde ja den Bestand am Entnahmeort schwächen. Durch das Einsammeln von Laich und die Aufzucht im geschützten Rahmen (in einem speziell eingerichteten Kleingewächshaus im Reservat Eisweiher) ist die Überlebenswahrscheinlichkeit sehr viel höher. Entsprechend können mehr Tiere aufgezogen werden. Nach der Metamorphose kann ein Teil der Tiere dem ursprünglichen Gebiet zurückgegeben werden – so als hätte man erst gar keinen Laich entnommen. Der andere Teil der Jungtiere kann zur Wiederansiedlung in weiteren Feuchtgebieten dienen.»

Im Reservat Eisweiher hat sich mittlerweile eine Population etabliert, die keine Unterstützung mehr braucht. Ein grosser Erfolg.

Dort und hier

Wir sprechen noch über viele weitere Themen. Über Ochsenbeins Hobby Naturfotografie und seine Unterwasseraufnahmen beim Tauchen vor der indonesischen Insel Sulawesi.

Ganz regional bleiben wir vom WWF Region Basel mit den Natureinsätzen am 9. Oktober  und 20. November 2021 im Reservat Eisweiher. Andreas Ochsenbein stellt uns dabei «sein» Reservat Eisweiher vor.

Und wieder kommen wir auf seine Forschung zu Laubfröschen zurück. Dabei hat er Beobachtungen zur Standorttreue, zur  Paarung sowie zum Farbwechsel gemacht. Eine neue Idee wäre die Erforschung der Überwinterungsstandorte. Vielleicht  schon das nächste Projekt.

 

Nora Kaiser-Hungerbühler
Erschienen im WWF Magazin Region Basel im November 2021.

Das Reservat Eisweiher und die Wiesenmatten

Vor der Erfindung von Kühlschränken wurden die Wässermatten im Gebiet des heutigen Eisweihers bei Riehen für den Abbau von Eis verwendet. Dieses wurde im Keller eingelagert und half in Form von Kühlelementen durch den Sommer. So kam das Reservat Eisweiher zu seinem Namen. Es entstand 1965 mit den drei ersten Weihern, die dem  damaligen Biologischen Verein Basel zur Aufzucht von Wasserflöhen für die Aquarien dienten. Der Basler Biologe Heinz Durrer konnte von der Besitzerin IWB weiteres Land dazupachten und das Gebiet mit Weihern und einem kleinen Fliessgewässer aufwerten. Durch die Erweiterung um das angrenzende Feuchtgebiet Wiesenmatten 1988 besteht das gesamte Biotop mittlerweile aus 29 Weihern und Tümpeln. Das Gebiet Eisweiher und Wiesenmatten ist im Inventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung verzeichnet.

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